Green Kitchen

Kinder kochen klimagerecht

An der Frosta-Kochschule im Klimahaus 8° Ost in Bremerhaven wird unter anderem gelehrt, dass gesundes und gutes Essen nicht vom Geldbeutel abhängig ist.

Die Frosta AG mit Sitz in Bremerhaven ist deutschlandweiter Marktführer für tiefgekühlte Fertiggerichte. Da verwundert es auf den ersten – und auch auf den zweiten Blick, dass das Unternehmen eine Kochschule unterstützt, in der insbesondere Kindern und Jugendlichen das Zubereiten frischer und gesunder Speisen vermittelt wird.

Auf den dritten Blick sieht das Frosta-Engagement schon anders aus: Vorstandsvorsitzender Felix Ahlers ist gelernter Koch und sagt: „Nur wer kochen kann, wird gute Lebensmittel ein Leben lang zu schätzen wissen.“ Und gesund seien die Produkte von Frosta ohne Frage, fügt er hinzu. Schließlich seien Zusatzstoffe bei der Produktion bereits seit 2003 ein Tabu. Als dieses „Reinheitsgebot“ eingeführt wurde, brachte es Frosta zunächst in die Nähe einer wirtschaftlichen Existenzkrise. Erst nach und nach lernten es die Verbraucher zu schätzen. Heute ist der „hundertprozentige Verzicht auf Zusatzstoffe und Lebensmittel-Tricks“, so Ahlers, zusammen mit einem hohen Maß an Transparenz bei der Herkunft von Produktbestandteilen der Erfolgsgarant der Frosta AG – und die Erklärung dafür, dass der Thron der Marktführerschaft für tiefgekühlte Fertiggerichte überhaupt erklommen werden konnte. Für seinen Kurs erhielt Frosta 2012 einen bemerkenswerten Ritterschlag: den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Nachhaltigste Marke“.

Rund 100.000 Euro nahm Felix Ahlers in die Hand und investierte sie in die „Frosta-Kochschule“; Finanzspritzen kamen auch von der AOK und dem Möbelhaus Kemner. Im Februar 2015 wurde die Kochschule im Klimahaus 8° Ost in Bremerhaven eröffnet; sie ist an der Havenplaza, links vom Haupteingang des Klimahauses, zu finden. Und allein dieser Standort zeigt schon, dass die 120 Quadratmeter große Einrichtung eine besondere Kochschule ist. Im Klimahaus 8° Ost, einer 5.000 Quadratmeter großen Wissens- und Erlebniswelt mit drei Ausstellungsbereichen, kann eine virtuelle Reise um die Welt, entlang des achten östlichen Längengrades unternommen werden. Dabei stehen die Themen Klima und Klimawandel im Zentrum.

Fester Bestandteil fast jedes Kurses in der Kochschule sind Führungen durch das Klimahaus. Hierbei werden die Ernährungsgewohnheiten in anderen Teilen der Welt erklärt, und es wird deutlich, dass die Lebensmittelauswahl in Deutschland Auswirkungen auf Umwelt, Klima und die Lebensbedingungen etwa in Afrika hat. Hauptzielgruppe der Frosta-Kochschule, die von dem Verein Slow Food sogar als „Leuchtturmprojekt für ganz Deutschland“ betrachtet wird, sind Schülerinnen und Schüler ab der vierten Klasse. Unter fachkundiger Anleitung der Diplom-Ökotrophologin Monika Freiling und mit Hilfe von vier Kochfeldern auf zwei Kochinseln, großzügig dimensionierten Arbeitsflächen und dem entsprechenden Zubehör können die jungen Leute an den Töpfen loslegen. Gekocht wird regional und saisonal, mit leicht verfügbaren Zutaten und für wenig Geld. Ein weiterer Aspekt, der gefördert werden soll, ist das Verständnis für andere Kulturen. Dem dient unter anderem das Projekt „Kochen verbindet“, bei dem sechs Kinder mit Migrationshintergrund und sechs Kinder aus Bremerhaven und dem Umland gemeinsam den Kochlöffel schwingen.

Kochen für wenig Geld – diesen Punkt greift Felix Ahlers aus tiefer Überzeugung auf: „Gesundes und leckeres Essen ist keine Frage des Geldbeutels. Und aufwändig ist es im Übrigen auch nicht.“ Wissenschaftliche Untersuchungen und die Lebenserfahrung zeigten: Wer als Kind sich das Kochen aneigne, werde diese Gewohnheit als Erwachsener fortführen. Vor und während des Kochens in der Frosta-Kochschule lernen die Kinder und Jugendlichen Obst, Gemüse und Gewürze näher kennen. Danach wissen sie einiges über Herkunft, Anbau und Saison. Außerdem erfahren sie, wie sie sicher und sinnvoll mit Küchengeräten umgehen, welche Hygiene-Regeln eingehalten werden müssen und wie ein Tisch so gedeckt wird, so dass das gemeinsame Essen viel Spaß bereitet. „Ganz nebenbei“, betont Arne Dunker, „werden beim gemeinsamen Zubereiten, Kochen und Aufräumen soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Hilfsbereitschaft und Konfliktfähigkeit gestärkt.“ Dunker ist Geschäftsführender Gesellschafter der Klimahaus Betriebsgesellschaft und Vorstand der Deutschen Klima-Stiftung. Er bedauert: „Eltern und andere Erwachsene können dem Nachwuchs vielfach nicht mehr vermitteln, wie köstlich frisch und ohne Zusatzstoffe zubereitete Speisen sind. Väter und Mütter finden häufig keine Zeit, um sich und ihren Kindern eine liebevoll zubereitete, frische Mahlzeit zu kochen.“ Der greifbare Bezug zu Lebensmitteln und die Wertschätzung für den Preis, den sie haben müssten, seien oft nicht vorhanden oder verloren gegangen. Doch immerhin, freut sich Dunker, werde mit der Frosta-Kochschule ein kleines Gegengewicht zu dieser bedenklichen Entwicklung gesetzt.