Finanzierung

Darlehen: Das Gelbe Vom Ei

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Darlehen innerhalb der Familie sind ein feines Steuersparmodell – und vom Bundesfinanzhof abgesegnet.

Gut, wenn man so einen Vater hat. Hans Becker (Name auf eigenen Wunsch geändert) zögerte nicht lange, als Sohn Frank die Pläne für eine kräftige Erweiterung des familieneigenen Restaurantbetriebes wälzte: „Bevor du dich mit der Bank wegen eines Kredites herumärgern musst, gebe ich dir das Geld.“ Und zwar aus den Ersparnissen für die Altersvorsorge. Deshalb kam auch eine Schenkung nicht in Frage. Vater und Sohn vereinbarten daher einen Darlehensvertrag, um den Umbau des Restaurants und eine neue Küche zu finanzieren. Zu banküblichen Bedingungen mit angemessenem Zins. Das Schöne ist: Das Finanzamt zahlt mit. Die an den Vater zu zahlenden Zinsen sind bei Frank Becker Betriebsausgaben, mindern also seinen steuerpflichtigen Gewinn. Und Vater Hans muss für die Zinsen neuerdings nur noch 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen. „Die Familie spart insgesamt“, freuen sich die Beiden.

In der Tat. Der Bundesfinanzhof als oberstes Steuergericht hat am 20. August 2014 in mehreren Urteilen die Gestaltungsmöglichkeiten von Familien erweitert. Allerdings hat sich die Finanzverwaltung bis Mitte Dezember Zeit gelassen, um die für Steuerzahler günstigen Entscheidungen anzuerkennen. In vielen Fällen gilt nun auch bei Zinsen von Verwandtendarlehen die Abgeltungsteuer. Dies haben die Finanzämter bislang anders gesehen und haben die fälligen Zinsen des Gläubigers der normalen Einkommensteuer unterworfen. Beim Spitzensteuersatz plus Soli und Kirchensteuer waren das schon mal bis zu 50 Prozent – nur die Hälfte blieb also netto in der Kasse. Das wollte eine rüstige Dame so nicht gelten lassen. Sie hatte einer GmbH, die ihrer Tochter und den Enkelkindern gehört, ein festverzinsliches Darlehen gegeben. Das Finanzamt versteuerte die Zinserträge mit dem normalen Steuersatz. Weil im Gesetz steht, dass der niedrige Abgeltungssteuersatz nicht anzuwenden is t, wenn das Darlehen von einander nahestehenden Personen stammt. Der Bundesfinanzhof in München sah das anders. Und definierte erst einmal den Begriff „nahestehende Personen“. Da muss nach den Richtern eine der Parteien einen beherrschenden oder außerhalb der Geschäftsbeziehungen liegenden Einfluss auf die andere ausüben können. Bei der Oma war das jedenfalls nicht so – also Abgeltungsteuer (Aktenzeichen VIII R 31/11). In einem zweiten Fall ging es um ein Ehepaar. Die Ehefrau hatte ein Mehrfamilienhaus gekauft, aus dem sie Mieteinkünfte bezieht. Der Ehemann hat bei der Finanzierung mit einem Darlehen ausgeholfen. Die vereinbarten Zinsen wurden vom Finanzamt voll versteuert. Doch das musste sich jetzt belehren lassen (Aktenzeichen VIII R 44/13). In einem dritten Fall verkaufte eine Frau ihrem Bruder die Anteile an der bisher gemeinsamen Firma. Den Kaufpreis stundete sie. Die vom Bruder zu zahlenden Zinsen muss sie nun nur mit 25 Prozent versteuern.

Darlehensverträge innerhalb der Familie gelten seit vielen Jahren zu den Favoriten für Steuerspar-Füchse. Denn sie bringen rasch ein paar tausend Euro mehr netto in die Kassen von Eltern und Kindern (siehe „Familiensparmodell“). Ganz einfach, weil die Familie Abgeltungsteuer sowie Freibeträge mehrfach nutzt und die unterschiedlichen Steuersätze der Generationen ausschöpft. Daneben zapfen Firmenchefs Ehepartner, Eltern oder andere Angehörige an, wenn sie für ihr Unternehmen Geld benötigen. Für beide Seiten ein gutes Geschäft: Bessere Zinsen als bei der Bank für die Anleger, weniger Stress beim Firmenchef und oft auch Vorteile bei der Gewerbesteuer. „Besonders in größeren Städten mit hohem Gewerbesteuersatz rechnen sich Darlehensverträge innerhalb der Familie noch besser“, weiß Jürgen Ortmüller, Steuerberater aus Hagen.