Erbschaftsteuer: Erben kann teuer werden

Erbschaftsteuer

Erben kann teuer werden

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Familienbetriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe sollten jetzt ihre Nachfolgeplanungen überdenken.

Für manche Unternehmer ein Schock, für viele typische mittelständische Gastronomie-Chefs ein Grund zur Entwarnung: Die kürzlich vorgestellten Pläne aus dem Bundesfinanzministerium zur Reform der Erbschaftsteuer. Die Eckpunkte:

1. Unternehmen mit einem Wert von bis zu 1 Million Euro können ohne Steuerbelastung und ohne weitere Prüfungen durch das Finanzamt steuerfrei an einen Nachfolger weitergereicht werden.

2. Größere Unternehmen können nur insoweit steuerbegünstigt übertragen werden, wie die Nachfolger die Firma fünf bis sieben Jahre ohne nennenswerten Personalabbau weiterführen.

3. Begünstigt sind nur Wirtschaftsgüter, die wirklich notwendig für den Betrieb sind.

4. Ab einem Wert des Unternehmens von über 20 Millionen Euro kommt eine Bedürfnisprüfung hinzu. Wer die Erbschaftsteuer aus seinem Privatvermögen bezahlen kann, bekommt keine steuerlichen Vergünstigungen. Besonders für den letzten Punkt hagelt es Kritik.

Die Reform wird notwendig, weil das Bundesverfassungsgericht die bisherigen – und jetzt noch gültigen – Regelungen für die Erbschaftsteuer in weiten Teilen gekippt hat (Az. 1 BvL 21/12). Grundsätzlich bleibt es aber auch von dieser Seite dabei: Wer sein Unternehmen an einen Nachfolger vererbt oder verschenkt, kann dies auch weiterhin frei von jeder Steuerbelastung und ohne Verpflichtung zur Beibehaltung der Belegschaft tun. Die Tücken des Urteils stecken allerdings in den Details. Sie betreffen insbesondere auch typische Gaststätten- und Hotelbetriebe oder Caterer mit maximal 20 Beschäftigten. Die müssen sich bei der Nachfolge erstmals überhaupt mit steuerlichen Fragen auseinandersetzen. „Je nach Struktur des Unternehmensvermögens in der Bilanz kann es teuer werden“, sagt der Koblenzer Rechtsanwalt und Steuerberater Rüdiger Fromm (siehe Beispielrechnung). Der Trost: Das Bundesverfassungsgericht hat dem Gesetzgeber bis zum 30. Juni 2016 Zeit gegeben , die Sache zu richten. Dennoch ist für viele betroffene Unternehmer Eile angebracht. Denn es kann durchaus passieren, dass die Bundesregierung die jetzt diskutierten Reformen noch in diesem Jahr durchdrückt. Sowieso geplante Übertragungen sollten daher wegen der unsicheren Rechtslage mit einer Rückübertragungs- bzw. Widerrufsklausel versehen werden.

„Je nach Struktur des Vermögens in der Bilanz kann das Erben für Unternehmer teuer werden.“ Rüdiger Fromm, Rechtsanwalt

Allerdings können etliche Unternehmer aufgrund der Berliner Pläne gelassen bleiben. Sind die Immobilien gemietet und die Investitionen in die Geschäftsausstattung überschaubar, werden Erbschaften oder Schenkungen wohl auch künftig steuerlich überhaupt nicht erfasst. Dafür sorgen die persönlichen Freibeträge. Das sind bei Schenkungen oder Erbschaften an Kinder 400.000 Euro. Schenken beide Elternteile sind es schon 800.000 Euro. Wer indes ein größeres Vermögen hat, sollte sich jetzt mit den aktuellen und den neuen Regelungen befassen. Zumal dann, wenn ein potenzieller Nachfolger schon bereitsteht. Bei den Überlegungen ganz wichtig zu wissen: Maßgebend für die Höhe der Erbschaft sind nicht die Werte in der Bilanz, sondern die Verkehrswerte für die einzelnen Wirtschaftsgüter. Eine Immobilie in bester Lage kann also durchaus für die Erbschaftsteuer ein paar Millionen Euro wert sein, obwohl sie in der Bilanz nur noch mit 1 Euro Erinnerungswert steht.