Kölsches Gold:

Bildquelle: Sebastian Knoth, Georg Müller

Kölsches Gold

Feinster Honig ist ein Versprechen für jede Küche. Seine mitunter würzige und aromatische Note veredelt beinahe alle Menüs. Der Kölner Stadtimker Frank Methien bringt die Blüten-Delikatesse mit frischen Ideen aus der Rheinmetropole in die Gastronomie.

Die Gäste der Gelateria Cafeteria Süd lie­ben Frank Methiens Honig. Das Eck-Café im Süden der Stadt gehörte zu den ersten Abnehmern seiner Honigmanufaktur Bienwerk. In Kombination mit selbstge­machten Eis ist sein Stadtdviertel-Honig eine begehrte Leckerei.
In den vergangenen Jahren hat sich der Kundenstamm von Frank Methien mit der Gastronomie auf Wachstumskurs be­geben und reicht mit dem Delikatessen­laden Mutterland in Hamburg auch über die engen Stadtgrenzen hinaus. „Restaurants und Cafés sind eine dankbare Zielgruppe für meinen Blütenmischhonig. Die meisten sind froh, wenn sie ihren Gästen einen regionalen Honig anbieten können“, so der Imker. Denn er trifft mit seinem Angebot auf einen Nerv. Nur etwa 20 Prozent des Honigangebots hierzulande stammt tatsächlich aus Deutschland. Importlän­der wie Mittel- und Südamerika, und auch Osteu­ropa machen den Bärenanteil von 80 Prozent aus. Ein Grund dafür: Die Deutschen sind Weltmeister im Honigverzehr. Unser Verbrauch liegt bei einem Kilogramm pro Kopf im Jahr. Eine Menge, für die unsere Bienen mindestens fünf Millionen Blüten anfliegen müssen.
Mit der bedrohlichen Nachricht vom Bienenster­ben in den vergangenen Jahren hat das Stadtim­kern hierzulande an Zulauf gewonnen. Allein in Köln sind über 400 Imker registriert. Blühende Balkone, Gärten, Dächer und Wiesen, Alleen und Parkanlagen sind ideale Naschquellen für die Honigbiene. Die Voraussetzungen seien besser als auf dem Land, heißt es, denn hier würden Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden das Leben der Bienen erschweren. Ein weiterer Vorteil in der Stadt: „Hier ist es früher und länger im Jahr warm, so dass die Pflanzen mehr Nektar produzieren und die Bienen länger sammeln kön­nen“, sagen Bienenexperten wie Rolf Sli­ckers, der bis vor wenigen Jahren als Ho­teldirektor mit seinem Hotelhonig vom Dach des Pullman in Köln seine Frühs­stücksgäste beglückte. „Ohne das konse­quente Eingreifen der Imker hätte eins der wichtigsten Nutztiere für den Men­schen heute keine Überlebenschance.“

Von der App zum Imker
Die Liebe zum Imkern kam für den Berufs­feuerwehrmann Methien auf Umwegen. Er hatte sich vor knapp zehn Jahren eine Baumbestimmungs-App auf sein Smart­phone geladen. Was andere beglückt hät­te, stimmte ihn nachdenklich. „Als Kind kannte ich alle Bäumen noch auswendig“, sagt der 48-Jährige. Sich die Welt von ei­ner App erklären sei so genial wie absurd gewesen. Etwa zur gleichen Zeit machte er Bekanntschaft mit einem älteren Im­ker, der seine Feuerwache aufsuchte, um sich für die Zusammenarbeit bei einem Bienen-Einsatz zu bedanken. Ein ausge­strömtes Volk wurde dank Methiens Hilfe wieder eingesammelt. Ein Schlüsselerleb­nis, das für den Feuerwehrmann der Ein­stieg in seine Karriere als Imker war.
„Ich habe wie alle Hobbyimker erstmal mit ein bis zwei Völkern begonnen“, sagt der Kölner, „den ersten selbstgeernteten Honig habe ich an Freunde und meine Familie verschenkt.“ Doch die Menge wuchs von Jahr zu Jahr. Und so musste sich Methien eine neue Abnehmerschaft erschließen. Schließlich bringt er es mit 18 Völkern und zusammen mit zwei wei­teren Hobbyimkern aus Köln auf knapp 1 Tonne Honigernte.
Die Erntezeit – zwei bis dreimal im Jahr – ist für Imker arbeitstechnisch am intensivsten. Das Benediktinerkloster im Kölner Süden bietet Methien heute Lager und ausreichend Raum, um seine Waben fachgerecht zu entdeckeln, seinen Honig zu schleudern und das flüssigen Gold in Gläser und Quetsch-Tuben manuell abzu­füllen. Auch Etiketten werden in Handar­beit geklebt.

Honig fürs Auge
Der Imker investiert nicht minder viel Zeit in das Design schöner Gläser, styli­scher Etiketten und eines modernen Markenauftritts, denn er weiß: „Ich verkaufe Honig nicht nur über die Re­gionalität, sondern auch über Optik.“ Sein Vision: „Ähnlich wie in Berlin wo sich Hobbyimker zu einem Stadt-La­bel zusammenschließen, möchte ich Bienwerk als Coelner Imkerei über­regional als Marke etablieren und über die Stadtgrenze hinaus vertrei­ben. Ich denke an neue Vertriebswege und recherchiere und feile an neuem, nachhaltigem Verpackungsmaterial. Schließlich hat die Gastronomie als eine wichtige Zielgruppe hohe An­sprüche, insbesondere, was die Hygie­ne und das Handling betrifft.“

 

 

 

 

 

 

 

Frank Methien

Als Bienenfreund und Imker erklärt Frank Methien in seiner Bienen AG regelmäßig interessierten Kölnern die Welt des Blütenbestäubers. Sei­ne Kreativität und Experimentier­freude aber lebt er in seinem Job als Stadtimker aus. Als Naturliebhaber versteht er es auch, sich mit seiner Arbeit für bedrohte Tiere einzuset­zen. So gehen beim Kauf eines Ho­nigglases mit speziellem Wal-Eti­kett drei Prozent der Einnahmen an die internationale Wal- und Delfin­schutzorganisation WDC.