Walldorfschule Diez

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Schulessen kann begeistern – die Schüler ebenso wie die Küchencrew. Willi Auf der Lake, Küchenchef der Waldorfschule in Diez, beweist das.

Willi Auf der Lake kennt „seine Esser“. Jeden Tag geht er zu den Kleinen an den Tisch und fragt, wie es denn geschmeckt habe, ebenso steht er täglich selbst am Pass und gibt den größeren Schülern das Essen aus. Und so bekommt er auch Kritik, sollte mal ein Gericht nicht so ankommen wie gedacht, sofort, direkt und ungefiltert. Doch das ist eher selten der Fall: Schüler wie auch Lehrer der Diezer Waldorfschule schätzen das Angebot aus Willis Küche.

300 Schüler zwischen sechs und 20 Jahren lernen hier an der Ganztagsschule, mehr als 90 Prozent von ihnen essen seit Jahren regelmäßig zu Mittag. Das gemeinsame Mittagessen ist für viele ein wichtiger Moment im Schulalltag. Dass sie diesen auch so erleben können, ist Aufgabe von Wilhelm-Peter Auf der Lake, von den meisten nur „Willi“ genannt; seit knapp sechs Jahren ist er hier Küchenchef.

An vier Tagen pro Woche (freitags endet der Schultag bereits gegen 13.30 Uhr) kochen er und seine drei Mitarbeiterinnen – eine Köchin, eine Hauswirtschafterin und eine Küchenhilfe – das Essen frisch für die Schüler, ebenso für die Lehrer und Angestellten der Schule. Wöchentlich kauft er dafür ein und folgt dabei dem anthroposophischen Gedanken, dem auch die Waldorf-Pädagogik zugrunde liegt.

Die anthroposophische Ernährungsphilosophie postuliert, möglichst Lebensmittel aus biologisch-dynamischem Landbau zu verwenden, da sie besonders vitale Kräfte enthalten. Sie sollten weitestgehend frisch und naturbelassen sein. Der Verzehr von Fleisch, Fisch, Eiern sollte ebenso wie der von raffiniertem Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln eingeschränkt sein. Die Verarbeitung der Lebensmittel wird als schöpferischer Akt gesehen, da der Mensch als einziges Lebewesen die Fähigkeit besitze, die Nahrung nach seinen Bedürfnissen zu gestalten.

In der Konsequenz werden in der Diezer Schulküche fast ausschließlich Bio-Produkte verarbeitet. Die Ausnahme ist Fleisch; damit wird Willi von einem Metzger aus der Region beliefert, und der wiederum bezieht sein Fleisch von Landwirten, die er seit Jahren kennt und von denen er weiß, dass sie ihre Tiere naturnah aufziehen. Der Fisch, den Willi Auf der Lake für die Schüler zubereitet, stammt ausschließlich aus nachhaltigem Fang. In den Sommermonaten verarbeitet das Team auch gern Gemüse, Kräuter und Salate aus dem Schulgarten, den die Schüler selbst bewirtschaften. „Ich kaufe in jeder Woche nur das ein, was ich dann auch verarbeite“, erklärt Willi.

Da ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit mit den Lieferanten klappt. Seit Anfang des Jahres ist das nun auch so. Doch bis dahin war es ein ziemlich steiniger Weg. Mal war das für Montagmorgen bestellte Obst und Gemüse gegen 11 Uhr noch immer nicht da, mal hatte der Obst- und Gemüselieferant die bestellte Ware nicht in Bio-Qualität und lieferte ohne Absprache konventionell produzierte Ware, mal war das gelieferte Obst nicht ansatzweise reif für den Verzehr. Doch nun kommen die Lebensmittel vom Bio-Großhändler Phönix aus Rosbach vor der Höhe, und die Zusammenarbeit klappt endlich reibungslos.