Winzersekt

Es muss nicht immer Champagner sein!

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Deutschland ist Weltmeister im Sekttrinken. Gibt es etwas zu feiern, dann fällt die Wahl oft auf den Klassiker: französischen Champagner. Dabei gibt es ebenso hochwertige wie innovative Alternativen aus deutschen Landen.

Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund vier Litern Schaumwein im Jahr sind wir Deutschen internationaler Spitzenreiter im Sekttrinken. Etwa jede fünfte der weltweit konsumierten Sektflaschen wird nach Angaben des Deutschen Weininstituts und des Statistischen Bundesamtes hierzulande entkorkt. Das ist umso bemerkenswerter als der Pro-Kopf-Verbrauch von Wein gerade einmal bei 20 Litern liegt. Die große Vorliebe für Sekt hat in Deutschland Tradition. Landsleute wie Krug, Bollinger, Geldermann, Mumm und Deutz zog es zu Beginn des 19. Jahrhunderts ins benachbarte Frankreich, wo sie Champagner-Häuser gründeten, deren Produkte bis heute weltweit zu den bekanntesten Marken gehören. Zur selben Zeit entstanden die ersten deutschen Sektkellereien, darunter Kessler, Henkell, Söhnlein, Deinhard, Kupferberg, Kloss & Foerster, Schloss Vaux oder Faber – und in Berlin bekam der „Sekt“ 1826 seinen Namen. Geprägt haben soll ihn der Schauspieler Ludwig Devrient als Anspielung auf einen in England beliebten Sherry „sack“ oder schlicht als Ableitung vom französischen „sec“ für „trocken“. Französischer Champagner und deutscher Sekt haben historisch gesehen also einiges gemeinsam.

Sekt vom Winzer

Soll’s besonders hochwertig sein, kommt allerdings in der Gastronomie immer noch eher eine der großen Champagnermarken ins Glas als ein Tropfen aus heimischer Produktion. Dabei brauchen sich vor allem deutsche Winzersekte nicht vor den französischen Nachbarn zu verstecken. Winzersekte haben sich in Abgrenzung zu den Schaumweinen der großen Sektkellereien entwickelt und sind immer noch eine verhältnismäßig junge Bewegung in Deutschland. Bis in die 1970er Jahre hinein gab es hierzulande ein Sektmonopol, das es lediglich Kellereien gestattete, Schaumweine zu produzieren.

Für die Herstellung eines Winzersektes muss der Erzeuger hohe Qualitätsstandards einhalten, die in der Schaumweinverordnung geregelt sind. Die zur Herstellung des Grundweins verwendeten Trauben müssen zu 100 Prozent (inkl. Füll- und Versanddosage) aus dem eigenen Betrieb kommen. Zudem müssen alle Winzersekte – genau wie Champagner – nach der aufwendigen traditionellen Flaschengärmethode (Méthode champenoise) hergestellt werden, bei der die zweite Gärung in der einzelnen Flasche und nicht etwa in einem Tank erfolgt. Vorgegeben ist auch, dass über den Flaschenhals degorgiert (entheft) wird, der Sekt also erst beim Einschenken die Flasche verlässt, nachdem er mindestens neun Monate Hefekontakt hatte. Die Hefestandzeit ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal – Spitzenwinzersekte bringen es dabei durchaus schon mal auf 36 Monate.

Auf dem Etikett muss ein Winzersekt Angaben zum Weinbaubetrieb, zu den verwendeten Rebsorten und zum Jahrgang ausweisen. Ein Winzersekt ist also kein Massenprodukt. Er steht für seine Herkunftsregion und trägt die persönliche Handschrift des jeweiligen Winzers, der alle Eigenschaften seines Schaumweins von der Zusammensetzung der Grundweine aus eigenen Weinbergen bis hin zur Geschmacksrichtung selbst bestimmt.