Weinbars

Großstadt meets Weinberg

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Berlin eine Wein-Hochburg? Durchaus! Der Beweis: Diverse erfolgreiche Weinbar-Konzepte.

Ob rot, ob weiß oder rosé: Guter Wein steht immer für eine Lebensart des Genusses. Da Wein weltweit in den unterschiedlichsten Regionen angebaut und gekeltert wird, lassen sich die unterschiedlichsten Geschmäcker von Wein-Liebhabern in ihrer Breite voll bedienen. Genau dort setzen auch Weinbars an: Vor allem seit der Jahrtausendwende hat sich in Berlin eine eigene Kenner-Szene entwickelt, die die neue Lust auf Wein mit interessanten Konzepten zu einem Erlebnis macht. Das Besondere: Diese Weinbars setzen nicht nur lukullische Akzente, sondern haben sich oft in kluger Voraussicht Standorte in Kiezen gesucht, die sich gerade spannend entwickeln. „Weinbars boomen gerade regelrecht in Berlin“, sagt Anja Schmidt von der Ende 2014 in der Steglitzer Rheinstraße eröffneten Weinbar „Schmidt Z&Ko“, die sich selbst als vinophile Genusswerkstatt bezeichnet – denn dort lassen sich auch Kochkurse buchen. Wer zum Wein passende Speisen zu sich nehmen möchte, für den bereiten wiederum die TV-Köche Ralf Zacherl und Mario Kotaska frische regionale Leckereien zu. Die Bar in der noch nicht von Touristen überlaufenen Nachbarschaft gehört dabei zum traditionsreichen Berliner Wein-Universum Schmidt, zu dem auch die Weinbar Rutz sowie weitere Filialen in der Stadt zählen. „Berlin hat sich hier dramatisch zum Positiven entwickelt“, sagt sie. „Denn als wir zum Beispiel vor genau 15 Jahren die Weinbar Rutz an der damals noch wenig beachteten Chausseestraße öffneten, hat das zunächst niemand so richtig verstanden.“ Doch die Sommeliers hatten damit den richtigen Geschmacks-Nerv getroffen – und inzwischen gehört das „Rutz“ mit seinen bis zu tausend Weinen zu den besten und immer gut besuchten Adressen der Stadt. „Heute ist die Idee längst angenommen, in ein Restaurant vor allem wegen der Weine zu gehen“, sagt Schmidt. „Unser Sortiment ist eher deutsch ausgerichtet, denn die deutschen Winzer haben enorme Qualitätssprünge beim Qualitätsmanagement gemacht. Besonders die Tiefe de r Jahrgänge liegt uns am Herzen, von manchen Gütern haben wir Weine durchgehend ab dem Jahr 2001 im Angebot.“ Gut zugänglich aufgereiht im großzügigen Weinregal lassen sich die Weine direkt im „Schmidt Z& Ko“ vergleichen – und entweder direkt kaufen oder in der detailverliebt gestalteten Bar verkosten: An einer Wand hängt eine Art Gemälde aus lebendem Moos, die Barhocker erinnern an übergroße Sektkorken, Tische und Stühle sind aus dem Holz alter Weinfässer gezimmert. Eine andere Wand ziert ein Gitter, in das durchbohrte leere Weinflaschen regelrecht aufgefädelt sind. So strahlt die helle großzügig geschnittene Bar eine natürlich-edle Atmosphäre aus, die zu mehr als einem Besuch einlädt.

Einige Kilometer weiter hat Roland Kretschmer mit seiner Weinbar „Les Climat“ unweit der sich gerade wandelnden Potsdamer Straße ebenfalls eine gemütliche Oase des guten Weins eingerichtet. Seine Spezialität: Wein aus Burgund. „Auf meinen Frankreich-Reisen bin ich immer in Burgund abgebogen und habe Winzer besucht“, sagt er. „Denn deren Weine sind großartig und faszinieren durch ihre Vielfältigkeit.“ Rund 4.000 unabhängige Winzer sind dort aktiv, im Abstand von nur wenigen hundert Metern finden sich viele unterschiedliche Böden. Daher stammt auch der Name der Bar – denn „Climats“ bezeichnet in Burgund die Reblagen in den Weinbergen. „Allein ein Viertel der so genannten Appellation d’Origine Controlée (AOC) in Frankreich stammt aus Burgund. Viele arbeiten nach biodynamischen Standards“ sagt Kretschmer. Etwa zwei- bis dreimal pro Jahr fährt er nach Burgund, wo er als Direktimporteur zu neunzig Prozent mit Familienunternehmen zusammenarbeitet. „Etwa acht Paletten mit bis zu 600 Flaschen von verschiedenen Winzern lasse ich mir pro Jahr liefern“, sagt Kretschmer, der neben Privatleuten auch zahlreiche andere Restaurants mit erlesenen Weinen aus dieser Region versorgt. 2008 hatte er mit diesem Konzept begonnen – und mittlerweile ist er so etwas wie ein Wein-Botschafter Burgunds geworden. „Denn speziell diesen Weinen will ich eine Plattform bieten.“