Top Ausbilder 2017: Christian Westerhoff

Bildquelle: Ingo Hilger

Top Ausbilder 2017

Christian Westerhoff

Last but not least: Christian Westerhoff vom  Atrium Hotel Mainz ist der letzte Top Ausbilder, den wir vor dem großen Finale am 29. September vorstellen.

„Wenn unsere Kochazubis fertig sind mit ihrer Ausbildung, sollen sie hier rausgehen mit dem Gefühl, dass sie viel gelernt haben und Spaß dabei hatten“, so Christian Westerhoff. Der 38-Jährige ist Küchenchef des Tagungs- und Bankettbereichs im Atrium Hotel Mainz. Das Atrium in der Kategorie 4 Sterne Superior gilt mit seinen 150 Designer-Zimmern, -Suiten und -Apartments (insgesamt 320 Betten) sowie einem Veranstaltungsbereich mit 22 Konferenz- und Banketträumen auf 2.000 Quadratmetern als das größte inhabergeführte Hotel in Rheinland-Pfalz und dem Rhein-Main-Gebiet. Vier Restaurants und ein großer Wellnessbereich runden das Wohlfühlangebot am grünen Rand des Mainzer Stadtteils Finthen ab. 120 Mitarbeiter beschäftigt das Hotel insgesamt. Ausgebildet werden neben Köchen auch Hotel-, Restaurant- und Veranstaltungsfachleute, wie Personalleiterin Corinna Sturm erläutert.
Kulinarische Akzente setzen im À-la-Carte-Restaurant „Adagio und Weinbar“ Küchenchef Carl Grünewald und Sommelier Oliver Habig mit einer Kombination aus regionaler und mediterraner Küche sowie einer umfangreichen Weinkarte. In den beiden Frühstücks- und Büfettrestaurants Allegro und Cucina sorgt ein modernes Beleuchtungskonzept mit wechselnden Farben für die richtige Atmosphäre – passend zu Tageszeit und Anlass. Das Cucina verfügt außerdem über eine Live-Cooking-Station mit Wok, Grill und heißem Stein: Je nach Anlass können die drei Gastro-Outlets individuell für kleine Küchenpartys, Kochkurse, private Events oder in Kombination mit Tagungen und Veranstaltungen genutzt werden. Die sogenannte News Lounge, in der tagsüber Kaffee und frisch zubereitete Snacks, abends Cocktails angeboten werden, rundet das gastronomische Angebot des Atrium Hotel Mainz ab.

Vielseitigkeit ist Trumpf
Gerade die Vielseitigkeit des gastronomischen Angebots mache das Atrium zu einem attraktiven Ausbildungsbetrieb für angehende Köche, findet Christian Westerhoff, der als Küchenchef Tagungen/Bankette das Kerngeschäft des Atriums kulinarisch verantwortet. „Wir haben hier im Hotel ein sehr breites Angebot, angefangen vom Frühstücksbereich über Tagungen und Bankette bis hin zu à la Carte. Diese Vielseitigkeit möchte ich meinen Azubis vermitteln.“ Westerhoff weiß aus eigener Erfahrung, was eine gute Ausbildung heute wert ist. Der frischgebackene Küchenmeister IHK machte nach dem Abitur seine Kochausbildung im Kur- und Sporthotel Gnacke im Sauerland, wechselte danach als Jungkoch zum Romantischen Winkel, bevor er als Chef Entremétier und Gardemanger den Weg in die Sterneküche im Restaurant Patrizierhof in Wolfratshausen fand. Nach zwei weiteren beruflichen Stationen, u.a. als Chef de Partie und Chef Tournant in der Seeresidenz Alte Post, ging er 2008 als Souschef Bankette/Tagungen im Atrium an Bord, bestand ein Jahr später seine Ausbildereignungsprüfung und ist seit 2012 Küchenchef. Aktuell ist er verantwortlich für ein Küchenteam von 19 Mitarbeitern, darunter sieben Auszubildende, verteilt auf alle drei Lehrjahre. 300 Essen täglich und Bankette/Tagungen für etwa 500 Personen markieren sein Einsatzgebiet.
„Wir haben einen sehr guten Ruf im Raum Mainz und daher den Vorteil, dass sich viele Azubis bei uns bewerben“, freut sich Westerhoff. Auszeichnungen wie das Dekra-Zertifikat für „Exzellente Ausbildung“ und „Attraktiver Arbeitgeber Rheinland-Pfalz“ dürften ihren Anteil daran haben. Trotzdem macht man sich das Auswahlverfahren für angehende Köche nicht leicht im Atrium, denn „der Gast schmeckt einfach, wenn nicht mit Liebe zum Beruf gekocht wird“, weiß der Küchenchef. Um den Nachwuchs für die Bankettküche des Atrium Hotels zu interessieren, verlassen sich Westerhoff und Personalleiterin Sturm jedoch nicht allein auf eingehende Bewerbungen, sondern arbeiten eng mit der Mainzer Gustav-Stresemann-Wirtschaftsschule zusammen. Die Stresemann-Schüler absolvieren im 12. Schuljahr ein zweimonatiges Praktikum, für das sie gerne das Atrium wählen. Wer im Praktikum überzeugen kann, hat anschließend gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz, erzählt Corinna Sturm. Auch regionale Ausbildungsmessen werden genutzt.
„Wir gehen sehr offen in die Bewerbungsgespräche. Aber mir ist wichtig, dass schon beim ersten Gespräch der Funke überspringt, dass ich merke, der Bewerber hat Lust auf diesen Beruf“, betont Christian Westerhoff. Ist diese erste Hürde erfolgreich genommen, folgen für den Azubianwärter fünf Tage Probearbeiten. Danach berät sich Westerhoff mit dem gesamten Küchenteam, welche Kandidaten in die Endauswahl kommen. Die Bewerber, die am besten ins Team passen, bekommen nach einer zweiten Beratungsrunde den Zuschlag.


Fördern und Fordern
Wer einen Ausbildungsvertrag mit dem Atrium abschließt, braucht sich über Teildienst keine Sorgen zu machen. „Teildienst ist das Unsozialste, was es gibt“, findet Christian Westerhoff. „Bei uns wird Schichtdienst gearbeitet.“ Entsprechend klar geregelt sind die Arbeitszeiten: Es gibt ein zentrales Zeiterfassungssystem, Überstunden werden zeitnah abgebaut oder vergütet. Da das Kerngeschäft aus Tagungen besteht, bleibt Westerhoffs Küche an den Weihnachtsfeiertagen oftmals kalt – das freut die Familie. Dass die Arbeitskleidung gestellt und gereinigt wird, es Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie vermögenswirksame Leistungen gibt, sind weitere Vorteile, die in der Gastronomie nicht selbstverständlich sind. Flache Hierarchien, kurze Dienstwege und eine von Wertschätzung getragene Gesprächskultur sind Christian Westerhoff besonders wichtig: „Der Ton bei uns im Haus ist sehr ruhig. Das Cholerische, das man in anderen Betrieben leider immer noch findet, das gibt es bei uns nicht. Wir wollen respektvoll miteinander umgehen, und das gilt natürlich auch für die Azubis.“
Jedem Nachwuchskoch wird zu Beginn der Ausbildung ein Pate zur Seite gestellt – meistens ein Lehrling aus dem Ausbildungsjahr darüber. Er ist neben Westerhoff direkter Ansprechpartner für den Neuen und betreut auch die Monatsberichte, die während der Arbeitszeit gemacht werden dürfen. Gefördert werden die Auszubildenden zudem mit einem umfassenden Weiterbildungsprogramm, das sowohl intern, etwa mit Fisch- und Dessertschulungen, als auch extern bei Partnern des Hotels (Metzgerei, Weingut, Forum Culinaire) stattfindet. Ausländische Lehrlinge werden zudem mit gesondertem Deutschunterricht unterstützt, den das Hotel bezahlt. Gefördert wird auch die Teilnahme an Nachwuchskochwettbewerben, wie etwa dem Rudolf Achenbach Preis oder dem Jugendwettbewerb des Dehoga. Über ein Austauschprogramm gibt es zusätzlich die Möglichkeit, Erfahrungen in französischen und norwegischen Betrieben zu sammeln.
Besonderen Wert legt Christian Westerhoff, selbst Mitglied in der IHK-Prüfungskommission, auf die Prüfungsvorbereitung seiner Schützlinge. Er pflegt den ständigen Kontakt zu den Lehrern der Berufsschule, damit Leistungsdefizite seiner Kochauszubildenden rechtzeitig erkannt werden können, und trainiert anhand älterer Prüfungsbögen sowohl intensiv die Theorie als auch durch mehrfaches Probekochen des Abschlussmenüs die Praxis. In regelmäßigen Feedbackgesprächen zwischen Ausbilder und Azubi wird der aktuelle Leistungsstand erörtert und mögliche Weiterentwicklungsmaßnahmen besprochen.
„Wir fordern und fördern unsere Azubis jeden Tag aufs Neue, damit sie nach drei Jahren Ausbildung gestandene, vollwertige Mitarbeiter sind“, erläutert Westerhoff den Kern seiner Ausbildungsphilosophie. Wie weit sie auf diesem Weg schon sind, können die Kochauszubildenden des Atrium beim jährlichen Azubi-Tag unter Beweis stellen. Denn dann übernehmen sie das Zepter im Hotel – alle anderen Angestellten inklusive Küchenchef bleiben an diesem Tag zuhause. „Man merkt jedes Jahr aufs Neue, wie unsere Azubis an der Aufgabe wachsen und Selbstvertrauen gewinnen“, freut sich Westerhoff.