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Hauptschülern bleiben viele Ausbildungsplätze verwehrt, analysiert der DGB. Auch in der Gastronomie. Von Nicole Ritter

„Die sinkende Zahl der Ausbildungsverträge in Deutschland lässt sich nicht allein mit dem Akademisierungstrend begründen. Zu viele Betriebe setzen immer noch auf eine Bestenauslese.“ Deutliche Worte von der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack. Der Gewerkschaftsbund legte jetzt eine Analyse der aktuellen Ausbildungsangebote der IHK-Lehrstellenbörse vor und stellte fest: Zwei Drittel aller Angebote schließen Hauptschüler von vornherein von Bewerbungen aus. Das gilt auch für Gastronomie und Hotellerie: Mehr als 60 Prozent der Ausbildungsplätze für Hotelfachleute und über 40 Prozent bei den Restaurantfachkräften bleiben Jugendlichen mit Hauptschulabschluss von vornherein verwehrt. Lediglich beim Kochberuf sieht es etwas besser aus: Von 1.321 angebotenen Lehrstellen (Stand 25.3.2015) sind 910 auch für Hauptschüler ausgeschrieben, auf 116 Stellen können sich auch Jugendliche ohne Schulabschluss bewerben.

Schon lange kritisieren Bildungsforscher die „faktische Abschottung“ annähernd der Hälfte der Ausbildungsberufe für junge Menschen mit maximal einem Hauptschulabschluss. Die Hoffnung, dass sich ihre Situation durch den demografisch bedingten Rückgang in der Nachfrage nach Ausbildungsplätzen verbessern würde, habe sich nicht erfüllt, heißt es bereits im Nationalen Bildungsbericht aus dem Jahr 2012. Dabei stellte auch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) fest, dass es für die Zukunft des Dualen Systems von zentraler Bedeutung sei, dass verstärkt Jugendliche mit Hauptschulabschluss einen Ausbildungsplatz finden und somit den Fachkräftenachwuchs sichern. Die Quote der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss sinkt aber im Dualen System kontinuierlich: Waren es im Jahr 2009 noch 33,1 Prozent der Auszubildenden, ist der Anteil 2013 mit 29,5 Prozent erstmals unter die 30-Prozent-Marke gerutscht. Hingegen steigt der Anteil der Auszubildenden mit Studienberechtigung kontinuier lich an: von 20,3 Prozent im Jahr 2009 auf 24 Prozent im Jahr 2913.