Martin F. Cordes

Essen tröstet

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VKD-Mitglied Cordes hat den Sprung vom Koch zum Spitzenmanager geschafft. Seit 2004 leitet er die Gastronomie der Volkswagen Service Factory.

„Essen tröstet“, sagt Martin F. Cordes und lächelt dabei spitzbübisch aus den Augenwinkeln. Der Leiter der Volkswagen Service Factory Gastronomie, Hotellerie und Verkauf muss es wissen, schließlich regiert er sozusagen den Bauch des weltweit größten Automobilherstellers. Und der hat seinen Sitz genau dort, wo auch das Herz von VW schlägt: in Wolfsburg. Mehr als 100.000 VW-Mitarbeiter versorgt Martin F. Cordes mit seinem Team von hier aus allein an den sechs deutschen Standorten Wolfsburg, Emden, Hannover, Braunschweig, Salzgitter und Kassel. 47 Betriebsrestaurants, 21 Bistros, 27 SB-Shops, ebenso viele Kaffee-Bars und mehr als 1.600 Vending-Automaten werden von den 1.200 Mitarbeitern betreut. Mit 58.000 Essen täglich füllt Cordes‘ Service Factory eine Menge hungriger Bäuche und sorgt dafür, dass die Produktion bei VW so schnell nicht ins Stocken kommt.

Seit Cordes die Service Factory leitet, wird bei Volkswagen viel Wert auf die Qualität des gastronomischen Angebots gelegt. In den Betriebsrestaurants können die Mitarbeiter zwischen sechs bis acht Menüs wählen. Das Essen soll gesund und ausgewogen sein, so der Anspruch. Saisonale und regionale sowie Fair Trade-Produkte finden bevorzugt den Weg auf den Speiseplan. Gegessen wird bei VW in hellen, modern eingerichteten Restaurants wie dem neuen Bella Vista in Wolfsburg, an schönen Tagen auch schon mal draußen auf der Terrasse. Das ist Cordes wichtig. „Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, weil das Essen schmeckt, das Ambiente und der Preis des gastronomischen Angebots stimmen, sind motivierter und bringen höhere Leistung. Die Gastronomie ist bei uns kein Selbstzweck. Sie stützt die Kernaufgaben des Unternehmens“, so der Leiter der Gastronomie der Service Factory.

Entsprechend professionell ist die Zentralküche in Wolfsburg organisiert, wo nach dem ISO-zertifizierten Cook & Chill-Verfahren im Jahr rund 14,5 Millionen Portionen gefertigt werden. Eintöpfe, Suppen, Saucen, Beilagen, Gemüsegerichte – in der hauseigenen Fleischerei Schwein-, Rind-, Kalbfleisch, Geflügel und natürlich die berühmte Volkswagen-Currybockwurst neben weiteren Wurstwaren: Das alles wird hier vor Ort hergestellt, verarbeitet und an die eigenen Niederlassungen geliefert. Außerdem ist die Service Factory außer Haus in der Schulverpflegung aktiv und beliefert zwei Fußballstadien. VW kann nicht nur Auto.

Kultstatus hat längst nicht mehr nur der Golf – Martin F. Cordes‘ Geniestreich, die hauseigene Currybockwurst mit Ketchup oder Sauce „Heaven & Hell“, zieht gleich. 7,2 Millionen Stück werden davon im Jahr verzehrt, knapp 30.000 in den neuen Produktvarianten vegetarisch und vegan. Wer von der volksnahen Kultwurst nicht genug bekommen kann, muss außerhalb des Betriebsrestaurants nicht auf sie verzichten: Cordes‘ Aktion „Nimm’s mit“ sorgt dafür, dass den VW-Mitarbeitern die Wurst u.v.m auch zu Hause schmeckt. Die Wurst gibt es zudem bei Edeka zu kaufen – komplett mit VW-Logo auf der Verpackung. Die Geschichte der 1938 gegründeten Volkswagen-Gastronomie ist reich an Erfolgen. Doch erlebt der Automobilhersteller wie aktuell Turbulenzen, ist das Team um Martin F. Cordes besonders gefordert, den Mitarbeitern des Konzerns viel Trostreiches auf die Teller zu zaubern. Der Spitzenmanager weiß, in schweren Zeiten kommt es auf die Küche an, damit das große Bauchgrimmen ausbleibt. Das will gelernt sein: Cordes ist ausgebildeter Küchenmeister.