Trend: #Foodporn

Bildquelle: Joerg Eberl, Ingo Hilger, Stefan Mugrauer, Shutterstock

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Das Posten von Essensfotos im Internet ist zum Volkssport geworden. Aber ist es auch erlaubt?

Die Pizza beim Italiener nebenan , das Fingerfood an der Strandbar oder das liebevoll arrangierte Menü im Restaurant, als wackliger Handyschnappschuss oder perfekt ausgeleuchtet: Essen ist der Star in der Onlinewelt der sozialen Medien. „Foodporn“ heißt der Begriff, der die Lust am Fotografieren und Teilen von Speisen treffend beschreibt. 90 Millionen Bilder finden sich unter dem entsprechenden Hashtag allein auf der Plattform Instagram. Dazu kommen Facebook oder Flickr und unzählige Blogs.

In Deutschland posten 17 Prozent der Bevölkerung mehrmals im Monat bis hin zu täglich oder sogar mehrmals täglich Bilder von Speisen, heißt es in der aktuellen Studie „So is(s)t Deutschland 2016“ des Lebensmittelkonzerns Nestlé. Insgesamt nutze fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) diese Möglichkeit und 29 Prozent haben demnach schon einmal ein Food-Video ins Internet gestellt. Völlig unproblematisch ist das natürlich, wenn man sein selbst gekochtes Abendessen oder die eigene Dessertkreation online präsentiert. Aber wie sieht es aus, wenn man das Werk eines Dritten, also des Kochs, Patissiers oder Konditors, fotografiert und veröffentlicht?

Vor einigen Jahren machte eine Berliner Gaststätte dadurch Furore, dass sich der Wirt das „instagrammen“ seiner Speisen mittels Aushang verbat. An diese Aufforderung „müssen sich die Gäste halten, da der Gastronom das Hausrecht hat“, sagt Rechtsanwalt Niklas Haberkamm von der Kanzlei Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum in Köln, Experte für Marken- und Medienrecht. Wie so ein Verbot auf die Gäste wirkt, ist eine andere Frage. So taten sich etwa französische Spitzenköche, die gegen das Fotografieren ihrer Speisen vorgehen wollten, schwer damit, wie sie diesen Wunsch an ihre Kunden bringen können. Denn schließlich wollen sie ihre Gäste nicht abschrecken. Alexandre Gauthier vom Gourmet-Restaurant La Grenouillère in der Normandie hat dezent das Symbol einer durchgestrichenen Kamera in die Speisekarte eingefügt. Damit wolle er wenigstens erreichen, dass die Gäste um Erlaubnis fragen, bevor sie knipsen, sagte der Koch gegenüber französischen Medien.

Was Gauthier vor allem aufstieß, ist die Unruhe und die Blitzlichter, die andere Gäste beim Genießen störe. Sternekoch Gilles Goujon, Chef des Restaurants Auberge du Vieux Puits, fürchtet um seinen Ruf, da die unprofessionellen Fotos der Gäste seine Speisen nicht ins rechte Licht rückten. Auch fürchtet er, dass seine Menüs von anderen nachgeahmt werden könnten.

Fälle wie diese, in denen Köche und Wirte das Fotografieren in ihren Gaststätten verbieten, sind in Deutschland – vom Berliner Beispiel abgesehen – allerdings nicht bekannt, wie der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Christoph Lück, sagte. Er rät Gastronomen aber, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen: „Wenn man das nicht will, ist es allemal ratsam, die Spielregeln von vornherein festzulegen.“