Pokemon go

Spielfieber

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Gastronomen können sogenannte „location-based games“ wie Pokémon Go zur Steigerung ihres Umsatzes einsetzen. Wir sagen, worauf es dabei ankommt.

Rund 30 Jugendliche tauchten plötzlich vor der Kieler Filiale der Restaurantkette Vapiano auf. Aber statt sich darüber zu freuen, holte der Manager die Polizei, die ein Platzverbot aussprach. Die Gruppe verzog sich. Ein Restaurant-Leiter, der Kunden vertreiben lässt? Nein, die jungen Leute studierten nicht die Speisekarten, sondern ihr Smartphone. Sie waren keine Kunden, sondern auf der Jagd nach Schiggy, Taubsi und anderen Pokémon-Go-Monstern, von denen sich eines vor der Vapiano-Filiale befand. Und dabei versperrten sie den Gästen den Eingang.

Die Anekdote zeigt die Chancen und Risiken, die der neueste Hype auf dem Markt der mobilen Spiele bietet: Wie mit anderen ortsabhängigen Spielen oder Dienstleistungen lassen sich damit Kunden in das eigene Lokal leiten. Sie können aber auch Andrang entfachen, der in Überforderung mündet – oder in schlechte Onlinekritiken. Diese Erfahrung hat das 5-Sterne-Privathotel Europäischer Hof in Heidelberg gemacht. Dort war ein Pokémon-Stop platziert worden – wie, das weiß Dr. Caroline von Kretschmann, geschäftsführende Gesellschafterin des Hauses nicht zu sagen. Jedenfalls hinterließ ein Spieler auf Google eine negative Bewertung samt Kommentar „Wandered in there to catch Pokémon“. Das Hotel reagierte zeitnah und wies scherzhaft-locker darauf hin, dass das kein Gast-Kommentar war: „Nichts gegessen, nichts getrunken, kein Zimmer gesehen, keinen Service in Anspruch genommen, den Spa nicht besucht, einfach nur einen Pokémon gesucht. Wahrscheinlich nicht mal vom Handy aufgeschaut“ schrieben die Marketing-Leute des Hotels auf Facebook. Eine schlaue Reaktion, der Beitrag wurde zigfach geteilt, geliked und positiv kommentiert. Ein paar Stunden später setzte Caroline von Kretschmann noch einen zweiten Kommentar drauf, der noch mehr positive Resonanz erhielt. Der „kleine Medienrummel“, so von Kretschmann, den der Pokémon-Jäger und die humorvolle Reaktion entfacht haben, hat dem Hotel jedenfalls nicht geschadet. Die negative Bewertung wurde auf Verlangen des Hauses von Google gelöscht. Caroline von Kretschmann sieht zwar für Hotels und erst recht für Häuser auf dem Niveau wie das ihre kein direktes Marketingpotenzial. „Aber für Pizzerien, Cafés oder auch Ketten wie Starbucks kann ich mir kurzfristig deutliche Umsatzsteigerungen vorstellen“, ist die gelernte Betriebswirtin überzeugt.

Stefan Kels, der in seinem Berliner Café Tigertörtchen-Cupcakes verkauft, erlebt das bereits. Er kauft regelmäßig Lockmodule für den Pokestop vor seinem Laden. Die locken sehr viele Pokémon-Monster an – und damit Spieler. Kels gewinnt so Neukunden, zumal er entsprechend dekoriert hat und passende Cupcakes anbietet. Spieler halten sich an solchen Pokestops gerne länger auf, um Monster zu fangen – und wenn gleich ein Café in der Nähe ist, umso besser. Kels kann zwar seine Umsatzsteigerungen nicht beziffern, sieht aber etliche spielende Neukunden kommen. So ein Lockmodul kostet einen Euro für die halbe Stunde, die Investition ist überschaubar und amortisiert sich rasch. Für potenzielle Interessenten hat Kels einen Tipp: „Man muss schnell sein, das Interesse flaut bereits wieder ab.“

Ein Burger-Laden in Köln geht ähnlich vor und kündigt auf Facebook an, wann er Lockstops auslegt – das dürfte einen Effekt auf die Steuerung der Kundschaft haben und kann die Auslastung in Randzeiten verbessern. Ein Münchner Bio-Burgerbrater hat Rabatte für Spieler vergeben. Andere Unternehmen setzen auf den Hype, ohne direkt das Spiel zu nutzen, indem sie etwa Screenshots auf ihre eigene Location basteln und posten oder entsprechend gebrandete Angebote machen. Hier drohen aber juristische Probleme, denn natürlich sind Marke, Logos und Designs des Spiels geschützt.