Top-Ausbilder 2016

„Je mehr ich ihnen beibringe, umso mehr bekomme ich zurück“

Für Thomas Sieglow, Küchenchef im Accor Novotel Leipzig, ist der menschliche Faktor in der Ausbildung besonders wichtig. Er ist überzeugt, dass eine gute Lehrzeit die Persönlichkeit formt und zu guten Leistungen führt.

Top Ausbilder 2016 Thomas Sieglow, Küchenchef im Accor Novotel Leipzig, setzt besonders ganzheitlich und sehr persönlich für das Kochenlernen und die Köcheausbildung ein. Der extrem engagierte Koch ist Ritter des Laurentius-Ordens (eine Köchevereinigung mit Sozialgelübde), organisiert den Leipziger Köcheverein, die Jugendarbeit sowie Jugendwettbewerbe und vieles mehr. So viel Engagement steckt an. Seine Azubis haben eine eigene Jugendgruppe initiierte, die Leipziger „Chillies“.

Kein Wunder, denn für den Ausbilder stehen die Menschen, mit denen er es zu tun hat, im Vordergrund: „Jeder Lehrling ist anders und hat sein eigenes Verständnis von Ausbildung. Wenn wir uns Zeit nehmen, dem nachzugehen, was jeder braucht und wie jeder zu motivieren ist, bilden wir gut aus“, sagt Sieglow. Er möchte, dass sie von sich aus alles geben und ist deshalb immer für seine Schützlinge da. Das hat für ihn auch einen über die berufliche Seite hinausgehenden Sinn: „Eine gute Ausbildung formt nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern ebenfalls Persönlichkeiten und Charakter“, ist er überzeugt. Lernen sei zwar wichtig, aber für den Köche-Nachwuchs ist es aus Sieglows Sicht noch wichtiger, Verantwortung tragen zu lernen sowie Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigene Fähigkeit zur Leistung zu entwickeln.

Junge Leute, die sich in diese Richtung bewegen wollen, bekommen nach positiv beurteiltem Bewerbungsgespräch die Möglichkeit zu einem fünftägigen Probearbeiten in der Küche des Hotels. Die Ergebnissen werden dann Hotelchef und Betriebsrat zur Entscheidung vorgelegt. Sollte es nicht genug eigene Stellen für geeignete Bewerber geben,werden diese dann an andere Unternehmen vermittelt. Über den Ausbildungsalltag hinaus, ist für die Auszubildenden die Teilnahme an Wettbewerben obligatorisch. Das Engagement reicht von lokalen Wettbewerben in Leipzig, über regionale Meisterschaften bis hin zum Rudolf-Achenbach-Preis. In den vergangenen beiden Jahren gelang es dem Leipziger Hotel darüber hinaus, jeweils einen Koch-Azubi ins Finale des nationalen Accor Azubi-Awards zu bringen.

„Prüfungsvorbereitungen und Trainings sind ein ganz normaler Vorgang in unserem Unternehmen“, erläutert Sieg-low. Kein Wunder, schließlich ist er ebenfalls Vorsitzender der IHK Prüfungskommission. „Wir sind automatisch am Puls der Zeit und wissen, worauf wir achten und wie wir ausbilden müssen“, so seine selbstbewusste Ansage. Davon profitieren auch andere Institutionen, wie beispielsweise die zuständige Berufsschule. Sieglow arbeitet gemeinsam mit ihr an einem Leitfaden zur Verbesserung der Ausbildungsdurchführung und der Integration der Betriebe in den Ausbildungsprozess.

Auch der Köche-Nachwuchs selbst soll den „Puls der Zeit“ aus seiner Sicht immer wieder fühlen und möglichst viele eigene Erfahrungen machen. Deshalb nimmt er sie auf Fachmessen mit, wo sie die gesamte Breite des Angebotes der Lieferanten kennenlernen und von wo sie neue Ideen mitnehmen können. Im Rahmen von Besichtigungen einzelner Unternehmen bekommen sie einen Einblick in die Abläufe anderer Betriebe. Auf der Besuchsliste stehen beispielsweise, Gemüsebauern, Gänsezüchter oder Chocolatiers.

All dieser Einsatz, den Sieglow leistet, lohnt sich aus seiner Sicht am Ende auch für das Unternehmen, weil er sich positiv auf die Leistungsfähigkeit der Küchencrew in dem Leipziger Hotel auswirkt: „Je mehr ich ihnen beibringe, umso mehr bekomme ich zurück.“