Top-Ausbilder 2016

„Man muss trotz der vielen Arbeit noch Mensch bleiben“

Ein Lebenswerk für die Ausbildung: Der leidenschaftliche Hotelier und Koch Gerhard Plankl setzt sich mit aller Kraft für die Förderung des Köche-Nachwuchses ein.

Der Träger des Sonderpreises Top Ausbilder 2016 Gerhard Plankl wird mit dieser Auszeichnung „in besonderer Anerkennung seines Lebenswerkes rund um das Thema Ausbildung im Berufsfeld Koch/Köchin und seine persönlichen Einsatzes für die Rekrutierung, Förderung und Motivation des Köche-Nachwuchses, auch über das eigene Unternehmen hinaus“ geehrt. Der Koch und Hotelmeister führt sein Hotel in zweiter Generation und wird es an seine Söhne weitergeben. Am Standort Altötting ist er mit seinem Haus eine Institution. Plankl hat es über die Jahrzehnte Stück für Stück ausgebaut und verschieden gestaltet Häuser und Bereiche geschaffen.

Doch bei allem Geschäftssinn des Unternehmers stehen bei ihm die Menschen, die für ihn arbeiten, im Mittelpunkt des Geschehens. „Man muss trotz der vielen Arbeit noch Mensch bleiben“, sagt er. Dabei setzt Plankl sich besonders leidenschaftlich für die Förderung des Köche-Nachwuchses ein. Das beginnt für den „Ausbildungsbotschafter des Landes Bayern“ (ein Ehrenamt, in das man berufen wird) schon bei der Rekrutierung von Auszubildenden. Hier ist er, zusammen mit seiner Ehefrau, die ebenfalls gelernte Köchin ist, aktiv – und das sowohl national als auch international. Auf lokaler Ebene gehören Werbe-Abende an Schulen sowie Berufsfindungs-Veranstaltungen im Unterricht der höheren Klassen, teils mit Vorträgen seiner eigenen Auszubildenden, dazu.

Seit Jahren übernimmt er Aufgaben des Köchevereins und betreibt beispielsweise auf einer Messe in Salzburg aktive Azubi-Anwerbung. Zusammen mit dem Arbeitsamt und anderen Institutionen führte er auch schon eine Recruiting-Aktion in Portugal durch, der Hotelier spricht fließend portugiesisch. Deshalb hat Plankl natürlich auch keine Scheu, Mitarbeiter aus aller Herren Länder zu beschäftigen. Er ist stolz darauf, dass beispielsweise ein junge Dame, Flüchtling aus Bosnien, bereits erfolgreich durch die Prüfung gebracht werden konnte, weitere sollen folgen. Aktuell ist Azubi Omar aus Aleppo in Syrien eine besondere Herausforderung, vor allem wegen der Sprachprobleme.

Bei all diesen Aktivitäten stützt sich der Hotelier vertrauensvoll auf seine Küchenchefin mit Ausbildereignungsprüfung: Martina Böcklbauer. Sie kümmert sich um das Alltagsgeschäft mit den Auszubildenden, sorgt dafür, dass sie alles Wichtige lernen und befasst sich mit jedem der jungen Menschen ganz persönlich. Ein hervorragendes Ergebnis ihrer Arbeit sieht Plankl darin, dass sie entscheidend dazu beigetragen hat, die Grenzen zwischen Hotelfach und Kochberuf im Unternehmen fließend zu gestalten: Eine der Hotelfachfrauen im Unternehmen macht bereits als zweite Lehre die Ausbildung zur Köchin. Eine weitere war von den Wochen in der Küche (das ist hier für die Hotelfachkräfte obligatorisch) so begeistert, dass sie den Ausbildungsplatz wechselte und jetzt ebenfalls den Kochberuf erlernt.

Böcklbauer sorgt sehr aufmerksam für ihre Schützlinge, sicherlich eine Herausforderung, denn der jüngst Azubi ist gerade mal 15 Jahre alt. Die besondere Zuwendung ist auch deshalb wichtig, weil das Team ganz bewusst immer einen zunächst etwas weniger leistungsfähigen Koch-Azubi auswählen und ihn besonders fördert. Wenn diese jungen Leute dann die Prüfung schaffen oder später sogar erfolgreich ein Lokal eröffnen, dann ist für Plankl ein wichtiges Ziel erreicht, nämlich den Azubis die Voraussetzungen für ein glückliches Leben mitzugeben. Er will Lebensfreude schaffen, Begeisterung für den Beruf entwickeln und für Sicherheit und eine vernünftige Lebenseinstellung sorgen. „Schließlich sehen wir uns nicht als Zwergenproduzent, sondern als Königsmacher“, sagt Plankl augenzwinkernd.